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Newsletter Nr. 1 / 2020

Guten Tag

 

Wieviel Überwachung braucht der Mensch im Alter?

Videokameras gehören in England, vor allem aber in London, zum Strassenbild dieser Stadt. Radarkontrollen sehen wir täglich, wenn wir uns mit unseren Autos auf der Strasse bewegen. Scanner bei Autobahnen in Italien zeigen uns bei der Ausfahrt an, was die Fahrt gekostet hat. Videos in Zügen und S-Bahnen geben einem Teil der Fahrgäste das Gefühl von Sicherheit, andere stören sich an der Überwachung.
Nach etlichen Randalen hat sich die Stadt Zürich entschlossen, am See Videokameras aufzubauen. Die Streitigkeiten, vor allem aber mutwillige Beschädigungen und Schlägereien, nahmen rapide ab. Warum die Stadt diese nun wieder abgebaut hat? Wahrscheinlich weil sich einige wenige Personen daran störten. In meinem ganz persönlichen Empfinden ein fragwürdiger Entscheid, angesichts des grossen Erfolges. Ganz klar ist, dass mit Kameras den Tätern ihre Taten bewiesen werden können. Auch ein Argument: ich möchte nicht in meiner Freizeit noch ständig überwacht werden.

Wieviel Überwachung brauchen ältere Menschen?

Gemäss der Bild-Zeitung vom 14.02.2020, lassen sich, im Rahmen einer Versuchsreihe, gegenwärtig 200 Berliner Senioren/innen freiwillig zu Hause überwachen. Ziel der Studie soll sein, dass alte Menschen länger in ihrer gewohnten Umgebung zu Hause wohnen können. In der Wohnung werden Bewegungsmelder installiert, der jede Bewegung der Rentner/Rentnerinnen weiterleitet. Virtuell betreutes Wohnen nennt sich das Modellprojekt. An der Balkontüre und am Kühlschrank hängt ebenfalls ein Bewegungsmelder. Ein Empfänger für die Bewegungsdaten steht auf dem Schrank. Eine Notrufbasisstation auf dem Tisch. Philips hat dieses Projekt gestartet.
Liegt jemand plötzlich länger im Bett als sonst, wird diese Abweichung erkannt und den Betreuern gemeldet. Dann leuchtet zum Beispiel „Schlaf“ im Computer auf. Sogenannte Quartierassistentinnen melden sich beim Senior, der Seniorin und fragen nach, ob alles in Ordnung ist. Ist das nicht zu viel Überwachung? Jemand, der schon drei Mal in der eigenen Wohnung gestürzt ist, sagt nein. Der Senior: “ Einmal lag ich eine halbe Stunde im Flur und konnte mich nicht mehr bewegen. Ich hatte tatsächlich Angst“. Stürzt er im Rahmen des Modellprojekts, gibt ein Sturzsensor, den er zusätzlich um den Hals trägt, Alarm. Ein Jahr soll das Forschungsprojekt laufen. Dann wird es abschliessend ausgewertet werden.
Ist das wirklich die Zukunft, um zwei, drei Jahre länger in den eigenen vier Wänden verbringen zu können? Kostet das schlussendlich weniger als ein Aufenthalt in einem Alters- und Pflegeheim? Kaum oder im Gegenteil.
Die Installation des Bewegungsmelders, das Wireless in der Wohnung, die Verbindung vom Sturzsensor zu der Notrufbasisstation, dann alle genannten Teile in der Anschaffung oder Miete, liegen bei rund 2000 Franken monatlich. Dazu kommen die Kosten für die externe Pflege (Spitex) am Morgen und am Abend, der Mahlzeitendienst, der Mietzins und die Hausratsversicherung, und so weiter. Es gibt in diesem Rahmen keine Lösung für soziale Einsamkeit, keine Begegnungen mit anderen Personen, niemand der mit einem am Tisch sitzt, keine Person, mit der man sich austauschen kann, die mit einem Freude, aber auch Leid, teilt und zuhört. Es gibt auch nicht die gemeinsamen Aktivitäten, welche in einem gut geführten Seniorenheim angeboten werden. Mann / Frau können zwar länger in der eigenen Wohnung verbringen. Die Stimme, die sich meldet, wenn man am Morgen später aufsteht kennt man vielleicht mit der Zeit. Aber eine persönliche Beziehung, ein wirkliches Kennenlernen wie es im Altersheim, Pflegeheim oder in einer Altersresidenz stattfindet, existiert nicht.
Ist dieses Leben aber wirklich lebenswerter als in einer Altersinstitution?
Ich bezweifle das sehr.
In einer Institution wie der Seniorenresidenz Perla Park in Zürich, geben wir jedem und jeder BewohnerIn die Möglichkeit, das Leben so zu leben, wie man es gerne möchte. Flexible Essenszeiten, grosses Aktivierungsangebot, Spiele und gemeinsame Ausflüge können dabei helfen, dass sich neue Freundschaften ergeben. Feste und gemeinsames Singen ergeben Wohlfühlmomente, die man allein zu Hause kaum mehr erlebt. Pflege dann in Anspruch nehmen, wenn man sie braucht, an einem Tag mehr, am anderen weniger. Gemeinsam wieder Dinge probieren und eigene Ressourcen wiederentdecken, ist ganz schön spannend. Hilfe, jederzeit, 24 Stunden am Tag, in Anspruch nehmen zu können, und zwar von den gewohnten und bekannten Personen, ist sicher einfacher, als zuerst eine Stimme über den Bewegungsmelder zu hören, wenn es einem schlecht geht.
Dauernde Überwachung gibt einem plötzlich auch das Gefühl, dass man nichts mehr ohne Rechtfertigung tun kann. Im Alters- und Pflegeheim Perla Park können unsere Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wünsche anbringen. Sie dürfen gerne auch mal eine Stunde ein Buch lesen oder Fernsehen, im Wissen, dass es bei einer Veränderung jederzeit möglich ist, den Alarmknopf zu drücken. Dann kommen Menschen, die man aus dem Alltag kennt.

Jeder Mensch braucht auch seine Privatsphäre, eine Rückzugsmöglichkeit, aber auch Gemeinsamkeiten und Kontaktmöglichkeiten mit anderen Menschen.

Immer wieder erlebe ich, dass jemand neu bei uns ins Alters- und Pflegeheim Perla Park kommt, sich zuerst gegen „das Abschieben ins Heim“ wehrt. Nach ein bis zwei Wochen Angewöhnungszeit, ja man muss sich tatsächlich wieder daran gewöhnen, nicht mehr einsam zu sein, kommen fast alle wirklich an. „Ich habe mit 90 Jahren noch eine neue Freundin gefunden“. „Alle Menschen hier im Altenheim sind sehr lieb und nett mit mir.“ Nach zwei Monaten: „Ich fühle mich hier wirklich zuhause“. „Es ist schön hier zu sein“.

Das ist es, was wir uns doch alle im Alter wünschen: eingebettet sein in eine Familie. Genau das wollen wir unseren Bewohnerinnen und Bewohnern in der heutigen, schnelllebigen und hektischen Zeit bieten: Ein Zuhause. Wenn Töchter und Söhne ihrem Job nachgehen, wenn Grosskinder keine Zeit haben, wegen Schule oder Studium, dann geben wir unseren Kunden genau das: Ein Zuhause.

Walter Winteler, Geschäftsführer