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Newsletter Nr. 5/Januar 2014

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Konflikte im Spannungsfeld Heim - Angehörige - BewohnerInnen

 

Angehörigenarbeit ist in der geriatrischen Langzeitpflege bereits seit längerer Zeit ein wichtiges und vieldiskutiertes Thema. Die Annahme, dass Familien oder Angehörige ihre alten und pflegebedürftigen Familienmitglieder in Heime geben und sich anschliessend nicht mehr um sie kümmern, ist längst überholt und widerlegt. Im Gegenteil ist der Eintritt in eine Institution in den meisten Fällen erst dann möglich, wenn sich wirklich alle familialen und ambulanten öffentlichen Ressourcen erschöpft haben (Chenowetz & Spencer, 1986). Das Bewusstsein dafür, dass Angehörige ein Teil des alten Menschen sind und dessen Wohlbefinden auch davon abhängt, wie sicher und wohl sich der Angehörige in der Institution fühlt, ist im Laufe der Zeit massiv gestiegen.

Quellen von Schwierigkeiten im Umgang mit Angehörigen

Eine eher grundsätzliche Problematik der auftretenden Schwierigkeiten zwischen Angehörigen und Mitarbeitenden liegt wohl darin, dass das familiale und das professionelle Versorgungssystem andere Interessen verfolgen und ihnen eine andere Logik zugrunde liegt. Die beiden Personengruppen haben eine unterschiedliche Perspektive auf den betroffenen Menschen. (Kickbusch, 1981). Für die Mitarbeitenden ist die Bewohnerin, der Bewohner ein Teil ihrer gesamten Aufgaben. Es wird nach bestem Wissen und Gewissen auf die individuellen Bedürfnisse eingegangen und doch müssen in der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit mehrere Menschen betreut und gepflegt werden. Es gilt dann Prioritäten so zu setzen, dass alle Beteiligten in gewissere Form zu ihrem Recht kommen. Für die Angehörigen aber sieht die Situation ganz anders aus: Hier steht ein ganz bestimmter Mensch und die Wahrnehmungen seiner individuellen Wünsche im Mittelpunkt von Denken und Handeln. Dieses Faktum kann zu Missverständnissen auf beiden Seiten führen. Die Pflegenden erleben die Ansprüche der Angehörigen als überhöht und können ihnen nicht gerecht werden, während die Angehörigen die Pflege als unzureichend erleben, da ihrer Meinung nach die individuellen Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Dass beide Personengruppen das Wohlbefinden des Bewohners, der Bewohnerin, als oberstes Anliegen verfolgen, wird dabei schnell aus den Augen verloren. Unklare Aufgabenteilungen und nicht definierte Zuständigkeiten zwischen Professionellen und Angehörigen (Schwartz & Vogel, 1990 Vinton & Mazza, 1994) lassen ebenfalls Konflikte entstehen. Während die Pflege und Betreuung das Leben im Heim als echte Alternative zum Leben zu Hause sehen und damit Verantwortlichkeiten unausgesprochen übernehmen, sehen das die Angehörigen ganz anders. Konkurrenzprobleme können dann die Folge sein. Wer kennt den zu Betreuenden besser und weiss genauer, was ihm jetzt gut täte? Diskussionen, die schliesslich in mangelndem Vertrauen oder gar Misstrauen enden.

Unzufriedenheit mit der Qualität und Angemessenheit der Pflege auf Seiten der Angehörigen lassen auch häufig Kontroversen entstehen. Immer dann, wenn die Angehörigen ihre Erwartungen in Bezug auf die Betreuung nicht erfüllt sehen, können Spannungen folgen. (Vinton & Mazza, 1994) Ganz sicher gibt es verschiedenste Gründe und Ursachen für Schwierigkeiten und Konflikte im Umgang mit Angehörigen, die eine gute Kooperation erschweren. Wichtig scheint an dieser Stelle das Bewusstsein dafür, dass es wohl in den seltensten Fällen nur eine Ursache gibt. Es braucht also das Wissen um die vielen Möglichkeiten und eine gute Diagnostik, um die Quelle für die Spannungen zu benennen und zum Wohle aller Beteiligten auch bearbeiten zu können. (Quelle: UBA 2011) Die Suche nach dem richtigen Heimplatz für die individuelle Situation ist deshalb für die Angehörigen wichtig.

Sie sollten sich über mehrere Heime informieren, sie besichtigen, sich mit dem entsprechenden Leitbild der Institution auseinandersetzen und sich beraten lassen, welches Heim für die individuelle Situation das geeignetste ist. Es gibt heute eine ganze Fülle von Angeboten: für Demenzkranke, schwer Pflegebedürftige, Blinde, Psychisch Kranke, Geistig Behinderte oder einfach pflegebedürftige Menschen. Aber auch für alte Menschen, die wegen der Wohnsituation (4. Stock, ohne Lift) nicht mehr zu Hause bleiben können und /oder sozial isoliert sind.

Es liegt also an den Angehörigen, heraus zu finden, ob das Heim, das momentan einen freien Platz hat, wirklich das Richtige ist. Die Verantwortung liegt aber auch beim Heim, das seriös abklären sollte, ob der zukünftige Bewohner/Bewohnerin auch die ihm zustehende Pflege und Betreuung angeboten werden kann. Sonst sind Unstimmigkeiten vorprogrammiert.

Wir führen deshalb die entsprechenden Abklärungen im 4- Augen-Prinzip durch und der Dialog mit den Angehörigen ist uns wichtig. Meist gelingt es uns, in einem engen Dialog mit den Angehörigen, das nötige Vertrauen und das Verständnis in unsere Arbeit zu erhalten. Wo dies nicht möglich ist, bemühen wir uns, in Zusammenarbeit mit den Angehörigen, für eine andere Lösung. In erster Linie fühlen wir uns dem Wohl und der Lebensqualität unserer Bewohnerinnen und Bewohner verpflichtet.

Mit besten Grüssen

Walter Winteler / Geschäftsführer

 

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