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Newsletter Nr. 8/Juli 2014

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Sterben: Wenn der Körper nicht mehr will

Als Geschäftsführer des Perla Park bin ich sehr daran interessiert, dass die Themen Alter und Sterben aus der Tabu-Zone kommen und auch öffentlich diskutiert werden.

In der neuesten Ausgabe des " Beobachter" geht es um die Nahrungsverweigerung im Alter und ob jemand "zwangsernährt" werden soll. Im entsprechenden Forum wird auch über Lebensqualität diskutiert und dabei auch die Lebensqualität in Alters- und Pflegeheimen in Frage gestellt. Unter anderem schreibt ein Herr A.C. "wenn sich also jemand bei vollem Bewusstsein absichtlich zu Tode hungert, weil er schlicht das armselige Leben im Altersheim satt hat, muss dies erlaubt sein". Und weiter dieser Herr A.C. "Anders sieht es natürlich bei schwer Dementen aus, welche einfach das Essen 'vergessen'. Hier fragt man sich aber auch, was es den Betroffenen überhaupt an Lebensqualität noch bringt, wenn diese zwangsernährt werden und ob man nicht einfach der Natur ihren Lauf lassen sollte. Ich sehe das an meiner Tante, die den ganzen Tag im Altersheim vor der Glotze sitzt, ohne sich zu bewegen. Aber hier stehen vielfach massive, finanzielle Interessen der Heime im Vordergrund, die noch lange am Patienten Geld verdienen wollen. Leere Zimmer bringen bekanntlich kein Geld."

Diese Äusserungen machen mich tief betroffen und ich stelle mir die Frage, ob wirklich die breite Öffentlichkeit dasselbe Bild vor Augen hat: "armseliges Leben", "keine Lebensqualität", "nur noch dazu da, den Heimen Geld zu bringen??"

Haben wir nicht einen Verband, CURAVIVA, der sich um solche Dinge kümmern und die Öffentlichkeit informieren sollte, was eigentlich so in Altersheimen und Pflegeheimen an Leistung erbracht wird? Leider macht unser Verband einen ganz schlechten Job in Öffentlichkeitsarbeit. Für mich ist CURAVIVA hier schlicht nicht vorhanden. 

Wir können als Heim zwar einiges an Dienstleistungen für unser Geld beziehen, aber ich fühle mich in der Öffentlichkeit nicht wirklich von CURAVIVA vertreten. Wir müssen vom Volk wahrgenommen werden. In Zeitungen wie dem "Blick" mit positiven Meldungen auffallen und nicht mit "Entlisberg-Schlagzeilen", die ein "gefundenes Fressen" für das schlechte Image der Heime sind. Ich habe mir deshalb erlaubt, im Forum des Beobachter Herr A.C. folgendes zu entgegnen: "Sie haben wirklich immer noch die Vorstellung eines Altersheims im Mittelalter: Bevormundung, Zwangsernährung, essen was auf den Tisch kommt, den ganzen Tag vor der Glotze sitzen (das gab es allerdings im Mittelalter noch nicht) zu einer bestimmten Zeit aufstehen, um 18:00 Uhr Bettruhe....!! Vielleicht können oder wollen Sie sich einfach nicht vorstellen, dass es den Menschen in einem Altersheim auch gut gehen kann, die Lebensqualität, durch das breite Angebot an Aktivierung und Betreuung dazu führt, dass man wieder Lebensfreude erhält, die soziale Vereinsamung, die viele Bewohner und Bewohnerinnen vor dem Eintritt ins Altersheim erlebt haben (in einer grossen Wohnung, ohne Lift) plötzlich weg ist und neue Freundschaften entstehen. Ja sogar Liebe im Alter ist ein Thema.

Angebote wie: Mal-, Sing-, Bastelgruppe, Jassrunden, Hirntraining, lernen mit dem Computer umzugehen, so dass man mit seinen Urgrosskindern in Australien via Skype Kontakt hat, sind keine Seltenheit. Dazu Vorlesungen, Konzerte, Theater, Sommernachtsfest, Musikabende, 1. August-Feier, Weihnachtsfeier mit den Angehörigen, Besuch des Weihnachtsmarktes im HB Zürich oder ein Kurzausflug zu der Kürbisausstellung in Seegräben, sind ein paar Aktivitäten, die wir im Perla Park anbieten und viele dieser Angebote werden rege genutzt. Sicher, und das sind sich auch unsere Bewohnerinnen und Bewohner bewusst: Es ist die letzte Station im Leben. Von hier geht man in der Regel mit dem Sarg zum letzten Mal zur Türe hinaus. Heute wird aber ganz viel getan um die Lebensqualität zu erhalten oder zu fördern. Dies immer auf freiwilliger Basis und ohne Zwang. Man muss auch nicht mehr um 07:00 Uhr zum Frühstück erscheinen. Hier haben die meisten Alters- und Pflegeheime schon lange flexible Essenszeiten eingeführt. Auch für Vegetarier gibt es ein Menu und die Küchen sind in der Regel so flexibel, dass auch Diäten schön und ansprechend präsentiert und angerichtet werden. Erstaunt? Wir sind in den Alters- und Pflegeheimen, zum grössten Teil, moderne und dienstleistungsorientierte Unternehmen geworden, die zwar keinen Profit erwirtschaften müssen, die aber ihre Infrastruktur und ihr Angebot und ihre Dienstleistungen mit den Einnahmen decken sollten. Wir beschäftigen gut bezahlte Profis in der Pflege, die bestens ausgebildet sind und mit den Angehörigen und Ärzten auf Augenhöhe kommunizieren können. Vor allem aber, die die Wünsche und klar geäusserten Meinungen unserer Bewohnenden respektieren. Wenn dann der Wunsch dazu gehört, nicht mehr länger leben zu wollen, dann haben wir auch das zu respektieren und unsere Bewohnerinnen und Bewohner, mit palliativer Pflege, in den Tod zu begleiten. Auch Exit ist ein Thema. Bisher habe ich das allerdings nur 1 Mal erlebt. Auch hier wurde die Absicht klar geäussert und mehrfach wiederholt und ich denke, dass man im Alter von über 90 Jahren, mit schwerer Krebserkrankung, auch das Recht hat, seinen Tod selber zu bestimmen. Selbstbestimmung kommt auch dann zum Tragen, wenn dies nachweislich zum rascheren Tod führt, indem eine Bewohnerin oder ein Bewohner einfach nicht mehr essen und trinken will. Auch hier begleiten wir bis zum Ende und setzen dabei noch eine speziell ausgebildete Sterbebegleiterin ein. Vielleicht sollten wir uns einfach wieder einmal klar machen, dass wir alle sterben werden und es wäre doch schön, wenn wir auch diese letzte Etappe mittels einer Patientenverfügung klar geregelt haben. Wir ersparen unseren Kindern so ein Dilemma und ein schlechtes Gewissen. (Was soll ich nur tun??) Es geht im Leben nicht nur darum seinen Spass und sein Vergnügen zu planen. Genauso, wie wir unsere Reisen und Freizeitaktivitäten planen und durchführen, sollten wir uns früh genug auch mit dem Tod beschäftigen. Dann verliert er vielleicht seinen Schrecken und wir können ihm gelassener begegnen. Noch eine Randbemerkung zum Schluss: Es sind nur etwa 5% aller Personen in der Schweiz, die ihr 85. Altersjahr überschritten haben, die je in ein Alters- und Pflegeheim kommen. Gehören Sie aber einmal dazu, danken wir Ihnen, dass Sie eine Patientenverfügung mitbringen.

 

Die nächste Ausgabe erscheint in 8 Wochen 

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an möglichst viele Freunde und Bekannte weiterleiten. 

Mit besten Grüssen

Walter Winteler, Geschäftsführer