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Newsletter Nr. 9/September 2014

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Erwachsenenschutzrecht / Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag

 

 "Das alte Vormundschaftsrecht stammte aus dem Jahre 1912. Es befasste sich nur mit Personen, die nicht oder nur unzureichend für sich selber sorgen konnten. Interessiert hat das alte Gesetz deshalb vor allem die Angehörigen. Das neue Erwachsenenschutzrecht, das 2013 in Kraft getreten ist, befasst sich auch mit Personen, die vielleicht irgendwann nicht mehr selber für sich sorgen können - also mit uns allen. Deshalb geht es uns auch alle an."

Unsere Vorväter meinten es gut, als sie 1912 das Vormundschaftsrecht in Kraft setzten. Mit dem Bild einer intakten Familie im Kopf formten sie Anfang des letzten Jahrhunderts das Vormundschaftsrecht für jene Erwachsene, von denen sie dachten, dass sie wie Kinder auf Fürsorge und Unterstützung angewiesen seien. Insbesondere sollten jene geschützt werden, die unter "Geistesschwäche" oder an "Geisteskrankheiten" litten. Dieser Schutz bedeutete im Wesentlichen den Entzug der Handlungsfähigkeit. Damit waren aber noch nicht alle Probleme gelöst. Das Gesetzt befasste sich auch mit jenen, die durch "Trunksucht", "Verschwendung" oder "lasterhaften Lebenswandel" auffielen. Auch wer länger als ein Jahr ins Gefängnis musste, hätte , streng nach dem Gesetz, bevormundet werden müssen.

Wenn für die Entmündigung einer Person kein zureichender Grund vorlag, wurde ein Beirat eingesetzt. Und wer "bloss" infolge Abwesenheit, Unfähigkeit oder Krankheit nicht selber handeln konnte, bekam einen Beistand. Dann wurde das Vormundschaftsrecht in den 1980ern noch mit den Bestimmungen zur fürsorgerischen Freiheitsentziehung (FFE) ergänzt. Damit wurden auf Bundesebene die kantonalen Bestimmungen für "Gesindel", "Arbeitsscheue und Liederliche" ersetzt. War damit alles klar? Nein, ganz und gar nicht. Es zeigte sich je länger je mehr, dass Erwachsene nicht mit Kindern gleichgesetzt werden können, denn Kinder können sich die möglichen Ereignisse anhand der Frage " Was wäre, wenn? " nicht vorstellen und hilfsbedürftige Erwachsene sind nicht willenlose Geschöpfe.

Mit dem neuen Erwachsenenschutzrecht soll also geholfen werden und nicht bevormundet werden. (Quelle: www.beobachter.ch)

Mehr Transparenz

Fast 30 % der über 80-Jährigen sind vorübergehend oder dauernd in einem von rund 1600 Schweizer Alters- und Pflegeheimen untergebracht. Mögen sie noch so liebevoll betreut werden: Sie geniessen dort nicht immer den Schutz, den sie brauchen. Auch nicht den Schutz vor Angehörigen, die glauben, besser als der/die Bewohnenden zu wissen, was oder Mutter brauchen. Schriftliche Betreuungsaufträge sind deshalb wichtig. Und sorgen für Transparenz - und die Kantone werden verpflichtet, die Institutionen zu beaufsichtigen.

Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag

Was, wenn ein Unfall Sie ins Koma versetzt, ein Hirnschlag ihnen die Sprache verschlägt oder sich Demenz einschleicht? Das Erwachsenenschutzrecht ermutigt, selber für solche Fälle vorzusorgen, denn treffen kann es jeden, egal, ob alt oder jung. Wird ein Mensch vorübergehend oder dauernd urteilsunfähig, ist es meist vorbei mit der Selbstbestimmung. Dank dem neuen Erwachsenenschutzrecht muss das nicht sein. Mit wenig Aufwand lässt sich in guten Zeiten das selbstverständliche Selbstbestimmungsrecht auch in schlechten Zeiten bewahren.

Dafür gibt es zwei neue Instrumente: den Vorsorgeauftrag und die Patientenverfügung. Damit bestimmen Sie im Voraus, was zu tun oder zu unterlassen ist, falls Sie zum Beispiel wegen eines Unfalls oder Altersdemenz urteilsunfähig werden. Betroffen sind folgende drei Lebensbereiche:

· Die Personensorge: Dabei geht es um Entscheidungen über medizinische und pflegerische Behandlung, sowie Hilfe im Alltag.

· Die Vermögenssorge: Sie umfasst die Verwaltung von Einkommen und Vermögen inklusive Betreuung des Zahlungsverkehrs.

· Die Vertretung in rechtlichen Angelegenheiten: Dazu gehört im Wesentlichen das Eingehen oder Auflösen von Verträgen.

Wer sich in diesen drei Bereichen absichern möchte, kann das mit zwei Schriftstücken tun, mit der Patientenverfügung und dem Vorsorgeauftrag.

Kostenpflichtige Muster sind erhältlich bei Caritas Schweiz, Telefon 041 419 22 74, www.caritas.ch für (CHF 16.00)

Pro Senectute Schweiz, Telefon 044 283 89 89, www.pro-senectute.ch. Der angebotene Docupass enthält neben einer Patientenverfügung auch Muster für einen Vorsorgeauftrag, sowie Anordnungen für den Todesfall (CHF 19.00)(Quelle: www.beobachter.ch)

 

 

Warum schreibe ich nun schon das zweite Mal über das Erwachsenenschutzrecht?

In unserem Alltag, bei der Betreuung von alten Menschen, sind auch wir, als Institution sehr froh, wenn diese zwei Dokumente: Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung, vorliegen. Nicht selten haben alte Menschen zu ihren Kindern ein ambivalentes Verhältnis und nicht selten tauschen Kinder plötzlich die Rolle, wenn Vater oder Mutter ins Alters- oder Pflegeheim kommen: Sie übernehmen die Rolle ihrer Eltern und drängen ihre Eltern in die Rolle eines Kindes. Für uns als Institution eine ganz schwierige Situation, wenn Sohn oder Tochter einer Bewohnerin uns plötzlich sagen, dass ihre Mutter "keinesfalls herzhaft in ein Gipfeli beissen darf, wenn sie doch bisher immer Vollkornbrot gegessen hat".

Ein weiteres Beispiel: " Das geht gar nicht, dass mein Vater im Rollstuhl zum Essen in den Speisesaalgebracht wird. Er kann noch laufen. Also nehmen sie gefälligst den Rollator für ihn. Er soll sich ein wenig bemühen", dass er beim Gehen Schmerzen hat, steht gar nicht zur Diskussion.

In unserem Leitbild steht, dass wir unseren Bewohnerinnen und Bewohnern Ein Leben in Würde und Autonomie ermöglichen wollen und sie in ihrer Selbständigkeit unterstützen. Alte Menschen in unserer Institution, die nicht klar alles geregelt haben, müssen damit rechnen, von ihren Kindern plötzlich als Kinder behandelt zu werden und dann wird es für uns ganz schwierig, die Angehörigen, die in vermeintlich bester Absicht handeln, davon zu überzeugen, dass sie doch bitte ihre Mutter oder ihren Vater über sich selber bestimmen lassen sollen, was gut oder nicht gut für ihn/sie ist. Für mich persönlich steht dann auch die Frage im Raum: Wieso soll nun plötzlich alles "ungesund" sein, wenn Vater oder Mutter durch ihren "ungesunden" Lebensstil doch 90 Jahre alt geworden sind. Weshalb sollen sie um 21:00 Uhr ins Bett gehen, wenn sie früher immer bis Mitternacht in den Fernseher geguckt haben. Und ich stelle mir dann die Frage: Möchte ich, dass meine Kinder je über mich, der ich ihnen die Windeln gewechselt habe, bestimmen können?

Diese Frage beantworte ich für mich klar mit NEIN!

Deshalb habe ich mich nun endlich durchgerungen, mich mit Krankheit, Invalidität, dem Aufenthalt in einem Heim, einer schweren Krankheit und mit meinem Tod zu beschäftigten und meine Patientenverfügung und meinen Vorsorgeauftrag niedergeschrieben. Ich möchte meine Kinder, allenfalls auch meine Frau, entlasten, diese Verantwortung für mich übernehmen zu müssen. Ich will, wenn immer möglich, bis zur letzten Sekunde über mich selber bestimmen können.

Wann erledigen Sie das? Sie werden sich für die Zukunft viel befreiter fühlen.

 

 

 

Die nächste Ausgabe erscheint in 8 Wochen 

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an möglichst viele Freunde und Bekannte weiterleiten. 

Mit besten Grüssen

Walter Winteler, Geschäftsführer