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Newsletter Nr. 12/ April 2015

Sehr geehrte/r ###USER_first_name### ###USER_last_name###

Der K(r)ampf mit der Bürokratie und der Kampf ums Budget

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie im September Ihr Budget für das nächste Jahr machen, es so gestalten, dass es funktionieren sollte, Sie alle Zahlungen pünktlich erledigen können und sich ab und zu noch ein Abendessen, einen Theaterbesuch, eventuell 2 Wochen Ferien leisten können und dann erfahren, dass die AHV gekürzt, die Rente reduziert und die Steuern erhöht werden? Sicher mal betroffen. Vielleicht wütend. Sie ballen die Faust? Alles verständlich.

Es wird Ihnen aber nichts anderes übrig bleiben, als den Gürtel enger zu schnallen, auf den einen oder anderen Ausgang, Theaterbesuch zu verzichten und Ihre Ferien auf "Balkonien" zu verbringen.

Immer vorausgesetzt, Sie gehörten das ganze Leben zu den "Normalverdienern", die ihr Leben gut meistern, einen kleinen Batzen Ersparnis ihr eigen nennen dürfen, aber nie grosse Sprünge machen konnten.

Genau so geht es mir als Geschäftsführer des Perla Parks in den letzten 4 Jahren. Seit der Einführung der neuen Pflegefinanzierung ändern die Spielregeln Jahr für Jahr. Aufgrund der Auswertung der Kostenrechnung aller Alters- und Pflegeheime im Kanton Zürich, werden sogenannte Normkosten definiert. Normkosten sind das Maximum der zu verrechnenden Pflegeaufwände, je nach BESA-Stufen. Diese Normkosten wurden uns erstmals für das Jahr 2013 im Dezember 2012 bekannt gegeben. Drei Monate nachdem das Budget für 2013 vom Stiftungsrat abgesegnet worden war!

Nachdem die SOMED Statistik und die Kostenrechnung für 2012 definitiv vorlagen, senkte der Kanton Zürich die Normkosten für 2014. Leider hatten zu wenige Heime ihre Kostenrechnung seriös verarbeitet und der Kanton nahm die wenigen Zahlen zum Anlass, bereits nach einem Jahr die Spielregeln wieder zu ändern. Selbstverständlich auch erst Mitte November 2013, als das Budget für 2014 bereits genehmigt war. Die Folge davon: Wir mussten die Betreuungskosten erhöhen um nicht rote Zahlen zu schreiben. Einen Vorteil hatte die Senkung der Normkosten. Endlich begriff auch die letzte Institution, dass es wichtig ist, eine seriöse Kostenrechnung abzuliefern, bei der der effektive Pflegeaufwand auch aufgezeigt wird, damit die Pflege auch wirklich finanziert werden kann.

Folge: Die Normkosten wurden für 2015 wieder erhöht. Ein Fortschritt: Jetzt wurden die neuen Tarife bereits Mitte Oktober bekannt gegeben. Wieder drei Wochen, nachdem das Budget 2015 verabschiedet worden war.

Einmal mehr wurden die Spielregeln geändert und der Haken daran: Den Alters- und Pflegeheimen werden nur die Kosten bezahlt, die auch wirklich ausgewiesen sind. Diese variieren in einem Altersheim, je nach BESA- Stufe, zu den bekannt gegebenen Normkosten. Jedes Heim muss nun seinen Pflegeaufwand in jeder der 12 BESA-Stufen mittels Kostenrechnung 2013!! beweisen und erhält die effektiven Kosten bezahlt, die ausgewiesen sind. Die Erhöhung oder Anpassung basiert aber nicht auf den Zahlen 2014, sondern auf den Zahlen des Jahres 2013. Der Kanton hinkt also dauernd 2 Jahre hinterher. Wir erhalten nicht mehr als die Normkosten. Das heisst konkret: In den Pflegestufen, bei denen wir über den Normkosten sind, bezahlt die öffentliche Hand nicht die effektiven, sondern einfach die Normkosten. Wo wir darunter sind, werden dann selbstverständlich nicht die Normkosten sondern nur die effektiven Kosten bezahlt.

Sparen ist angesagt. Nicht zuletzt auf dem Buckel der Alters- und Pflegeheime und damit der Bewohnerinnen und Bewohner, deren Betreuungs- oder Hotellerietaxen angepasst und damit erhöht werden müssen. Die Kosten der Hotellerie und der Betreuung trägt aber jeder Bewohner, jede Bewohnerin selber. Irgendwann bleibt nur noch Ergänzungsleistungen zu beantragen. Dann werden die Kosten nicht mehr vom Bewohner bezahlt, sondern wieder vom Kanton, der mit den dauernden Änderungen der Spielregeln einfach die Kosten umlagert. Von der Pflege zu den Ergänzungsleistungen. "Die Katze beisst sich sozusagen in den eigenen Schwanz".

Dort, wo aber effektiv Geld im Gesundheitswesen gespart werden könnte und zwar nach diversen Statistiken mehrere hundert Millionen, dort machen unsere Politikerinnen und Politiker beide Augen zu: Bei der Pharmabranche, mit ihren überrissenen Preisen in der Schweiz. Parallelimporte dürfen hier nicht gemacht werden. Die gleichen Medikamente sind in der Schweiz durchschnittlich 30 bis 70 % teurer als im benachbarten Ausland.

Lobbyismus und Curaviva, unser Heimverband

Lobbyismus ist eine aus dem Englischen übernommene Bezeichnung (Lobbying) für eine Form der Interessenvertretung in Politik und Gesellschaft. Mittels Lobbyismus versuchen Interessengruppen ("Lobbys") vor allem durch die Pflege persönlicher Verbindungen die Exekutive und die Legislative zu beeinflussen. Ausserdem wirken sie auf die öffentliche Meinung durch Öffentlichkeitsarbeit ein. Dies geschieht vor allem mittels der Massenmedien. Dies die Definition gemäss WIKIPEDIA.

Während die Pharma-Branche und die Bauern, die Nahrungsmittelindustrie, die Post und die SBB über ein wirkungsvolles Lobbying verfügen, kann man das leider von den Vertretern der Alters-,Pflege-,Demenz- und Behindertenheime überhaupt nicht sagen. Unser Verband hat kein Gewicht und, so beurteile ich das, keinen Einfluss in der politischen Landschaft. Unser Heimverband verkommt immer mehr zum Anbieter von Kursen, Schulungen, Weiterbildungen, statt sich um das zu kümmern wofür er eigentlich gegründet worden ist. Die Interessen der Heime vertreten, die dem Heimverband angeschlossen sind. Curaviva als Marke oder Brand nimmt niemand wahr. Sie können das selber überprüfen: Fragen Sie auf der Strasse: wer oder was ist Curaviva? Wenn die Person nicht gerade in der Pflege tätig ist, kann Ihnen niemand eine Antwort geben. Das ist eine traurige Tatsache. Wie wäre das zu ändern? Indem man sich die oben angegebenen Branchen zum Vorbild nimmt. Lernen kann auch Curaviva. Tue Gutes und sprich darüber. Aktiv an die Medien treten. Anliegen in ganzseitigen Inseraten, mit einzelnen Schlagworten, bekannt machen.

Aggressiver für das Alter einstehen. Hier darf auch ruhig mal die SVP als Vorbild genommen werden. Jeder darf über diese Partei denken was er/sie will. Politisch sind sie erfolgreich. Für Volksinitiativen finden sie immer die notwendigen Unterschriften. Die Erfolgreichen sollten unsere Vorbilder sein, nicht die Verlierer.

In rund 1558 Institutionen arbeiten rund 155`000 Mitarbeitende. Ideale Voraussetzungen um eine Macht darzustellen, seine Interessen optimal vertreten zu können. Doch es passiert, leider........fast nichts!!

Die Babyboomer gehen in Rente

Während wir es in unserem Heim mit den "normalen Alten" das heisst mit Menschen zu tun haben, die keine allzu grossen Einkommen hatten, rund 60 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner sind auf Ergänzungsleistungen angewiesen, entwickelt sich das weltweite Geschäft mit den sogenannten "Baby-Boomern" in den nächsten Jahren ständig weiter. Die Generation der 65+ wächst momentan in den Industriestaaten bis zu drei Mal schneller als die jüngere Generation. Weltweit wird die Zahl der "Best Ager" bis 2050 bei rund 2 Milliarden liegen. Gemäss einem Artikel auf www.50plus.ch, kommen nun so langsam die Menschen ins Rentenalter, die auch von Beginn an in die Pensionskassen einzahlen konnten und vom wirtschaftlichen Aufschwung, als Nachkriegsgeneration, am meisten profitiert hat.

Gut ein Drittel der Konsumausgaben in Deutschland kommt heute schon von den über 60 jährigen. Die Rentnergeneration, die immer einen guten Arbeitsplatz und einen guten Verdienst hatte, ist eine begehrte Zielgruppe. Vor allem die sogenannten Woopies (well-off older people) werden umgarnt. Sie konsumieren und geniessen in vollen Zügen ihre Rente. Besonders beliebt sind Kreuzfahrten. Das Durchschnittsalter eines Kreuzfahrt-Touristen liegt bei rund 62 Jahren. Gerne investieren die Best Ager auch ihr Geld in Premium-Autos, teure Weine oder Luxusgüter. In Japan kaufen bevorzugt Senioren über 70 einen Ferrari. In Europa ist es eher die S-Klasse von Mercedes. Das Durchschnittsalter eines S-Klasse Fahrer soll bei 63 Jahren liegen. Der eine oder andere Ruheständler verwirklicht im hohen Alter auch gerne seinen Jugendtraum - und kauft sich eine Harley-Davidson. Die Kultmarke visiert mit ihren Touring/Cruising-Motorrädern bevorzugt die jungen Rentner an. Die Bikes verfügen über altersgerechte Extras wie geheizte Griffe und Sattel.

Schön, wenn man sich solche Dinge leisten kann und das Leben, nach der Arbeit, im Ruhestand,so voll geniessen kann. Das ist aber nicht repräsentativ für das Alter allgemein.

Das meiste Geld geben die Best Ager, gemäss www.50plus.ch, für ihre Gesundheit aus - für Hüftprothesen, Herzschrittmacher, Windeln oder Lesebrillen. Je älter sie werden, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten. Als Alterskrankheit besonders verbreitet ist Diabetes. Wegen der Überalterung der Gesellschaft dürfte sich die Zuckerkrankheit weiter verbreiten. Laut einer Prognose der Internationalen Diabetes Foundation wird die Zahl der Diabeteskranken von derzeit 380 Millionen auf über eine halbe Milliarde bis 2030 steigen. Das beflügelt das Geschäft der Insulin-Hersteller Novo Nordisk, Sanofil und Eli Lilly. Auch die Nachfrage nach Inkontinenz-Artikeln für Senioren dürfte zunehmen.

Was bedeutet das nun für uns?

Es wird immer mehr alte Menschen geben, die an Diabetes erkranken. Das fordert uns heraus, entsprechende alternative Menu`s anzubieten. Die Kundschaft, unsere Bewohnerinnen und Bewohner, wird anspruchsvoller. Sie erwarten mehr Möglichkeiten, mehr Aktivitäten, mehr Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse. Vieles haben wir bereits verbessert. Unsere Aktivierung ist auf einem guten Stand, mit einem breiten Angebot. Wir haben unseren Stellenplan Betreuung ausgebaut. Wir sind auch gefordert, ein offenes Ohr für die Wünsche unserer Bewohnerinnen und Bewohner zu haben. Diese Wünsche und Anliegen müssen auf ihre Umsetzbarkeit konsequent überprüft werden. Geht nicht, gibt`s nicht. Alternativen gibt es immer.

Wir müssen unsere eigenen Leistungen reflektieren, unser Tun und Handeln überprüfen und wo nötig anpassen. Benchmarking und damit der unabhängige Vergleich mit anderen Anbietern soll uns die Schwachstellen, aber auch das aufzeigen, wo wir sehr gut sind. Weiterbildung und Schulung unserer Mitarbeitenden in allen Bereichen sind ein Must.

So werden wir gemeinsam die Zukunft meistern. Davon bin ich felsenfest überzeugt.

 

Walter Winteler, Geschäftsführer

Die nächste Ausgabe erscheint in 8 Wochen