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Newsletter Nr. 13/ Juli 2015

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Glück, was ist das und wie wird man glücklich?

 

Glück ist wohl das Thema der Lebensphilosophie. Bereits in der Antike wurde darüber geschrieben und in der heutigen Moderne ist das Glück zu etwas geworden, dem man nachjagen soll. Es beginnt mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung 1776, wo zu den unveräusserlichen Rechten des Menschen, die vom Schöpfer gegeben sind, "das Leben, die Freiheit und das Streben nach Glück" gezählt werden. Die Menschen waren schon immer lieber glücklich als unglücklich. Mit dem Streben nach Glück hat uns die Evaluation ausgestattet. Wäre es nicht so, würden wir immer noch in Höhlen sitzen, statt in komfortablen Sesseln. Doch das jedermann das Recht haben soll, danach auf seine Weise zu streben, das ist erst seit der Moderne so. Die Verkündung des allgemeinen Menschenrechts auf individuelles Glück war der Startschuss der Moderne. Offensichtlich ist Glück aber nicht weniger schwierig zu erreichen als zur Zeit der Römer. Als Goethe etwa 70 Jahre alt war, wurde er gefragt, ob er ein glückliches Leben hatte. Er antwortete: Ja, ich hatte ein sehr glückliches Leben, aber ich kann mich nicht an eine einzige glückliche Woche erinnern. Goethe sagte auch in einem seiner Gedichte, dass es nichts deprimierenderes gebe als eine lange Reihe sonniger Tage. Glück ist nicht die Alternative zu Schwierigkeiten und Kämpfen des Lebens. Die Alternative dazu ist Langeweile. Wenn man keine Probleme zu lösen hat, keine Herausforderungen, die bisweilen die eigenen Fähigkeiten übersteigen, ist man gelangweilt. Und Langeweile ist eines der meistverbreiteten menschlichen Gebrechen. Glück ist, wie es Sigmund Freud sieht, kein Zustand, sondern ein Moment, ein Augenblick. Man fühlt sich glücklich, wenn es gelingt, ein Unglück zu überwinden. Man zieht die Schuhe aus, die einen drücken, fühlt Erleichterung und ist glücklich. Kontinuierliches Glück ist, gemäss Zygmunt Baumann, schrecklich, ein Alptraum. Eine Steigerung des Einkommens führt gemäss Richard Layard, Wirtschaftswissenschafter und Nationalökonom, nur bedingt zu einer Zunahme des Glücksgefühls. Was muss man denn selber tun, sein Glück zu mehren? Die Antwort von Zygmunt Baumann mag überraschen: hart arbeiten. Ein Maler der ein Kunstwerk schafft, ein Mathematiker, der sich mit einem schwierigen Problem abmüht, ein Gärtner der etwas pflanzt und sieht, wie es aufblüht: Das ist Glück. Man hat etwas geschaffen.

"Workmanship" ein Ausdruck, den der amerikanische Soziologe Thorstein Veblen geprägt hat und bedeutet solide Arbeit. Der Stolz auf eine gut gemachte Arbeit, die Bewältigung einer Aufgabe, die Überwindung eines scheinbar unüberwindlichen Hindernisses, das ist beglückend. Jeder von uns hat das tief in sich drinnen. Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge ist etwa die Hälfte dessen, was für unsere Zufriedenheit wesentlich ist, nicht kommerzialisierbar und daher in keinem Laden zu kaufen. Wenn man das Glück in Glück verheissender Ware sucht, ist die Suche nach Glück endlos, denn je mehr man sich dem Objekt nähert, desto mehr verliert es an Anziehungs- und Beglückungskraft, weshalb man es wieder ersetzen muss. Wer nach solchem Glück jagt, kümmert sich vorab um das eigene Wohl. (Quelle: Das Magazin, Ein Gespräch mit Zygmunt Bauman)

Und da kommen wir nun zum Perla Park. Denn man kann sich auch für das Wohl von anderen Menschen sorgen. Und das ist es, was letztlich auch glücklich macht. Wobei sich die Suche nach dem eigenen Glück und nach dem der anderen nicht ausschliesst. Der Widerspruch zwischen Egoismus und Altruismus lässt sich auflösen. Wer nur am eigenen Nutzen orientiert ist, braucht sich um das Wohl anderer nicht zu kümmern. Wer sich aber um andere sorgt, der fühlt sich besser. Das Erste ist das Programm Nietzsches. Er setzt auf Egoismus, Selbstverwirklichung und eigenes Vorankommen. Levinas lenkt den Blick nicht minder radikal auf den anderen. Auf die Sorge um ihn, auf das Glück des Daseins für ihn, das es einem selber bringt. Wir legen den Blick weder zu 100% auf Nietzsche und auch nicht 100% auf Lavinas, sondern auf Professionalität, Empathie und auf die Wünsche und Bedürfnisse unserer Bewohnerinnen und Bewohner.

Wir geben unser Bestes, dass wir herausfinden, was sie körperlich noch tun können, wo die geistigen Grenzen liegen, wo sie handwerkliches Talent haben, welche Musik sie lieben, wie sie sich gerne kleiden und was sie gerne essen. Wir unterstützen sie, versuchen aber auch sie zu fordern und möglichst lange noch vorhandene Ressourcen zu erhalten. Da bieten wir eine ganze Menge an Programmen an: gemeinsame kleine Gartenarbeiten, wo man die Früchte und das Gemüse wachsen sieht. Dann das Verarbeiten zu Konfitüren oder Gurken im Glas.

Bewegen mit Freude mit der Physiotherapeutin und plötzlich traut man sich wieder, mit dem Rollator ein paar Runden im Garten zu machen. Ausflüge, um noch Neues in der Nähe zu entdecken, das man früher nie gesehen hat. Wir versuchen, unseren Bewohnerinnen und Bewohnern zu zeigen, was sie noch können, versuchen, mit Sommernachtsfest und Feiern, fröhlichen Nachmittagen bei Spiel und Spass, ein Lächeln in ihre Gesichter zu zaubern, zu spüren, dass sie einen Moment nicht mehr an ihr Alter und ihre Gebrechen oder Krankheiten denken. So sind sie einen Augenblick lang glücklich und wir sind es auch. Kleine Glücksmomente für alle.


Wie ein Damoklesschwert hängt über all dem Glück aber die Frage: können wir uns solche Dienstleistungen morgen noch leisten? Werden Spiel, Spass und Feste oder Feiern unter dem Spardruck wegrationalisiert?

Was ist die richtige Pflege und Betreuung und was darf sie kosten? Ist sie nicht heute schon sehr teuer? Verlagern wir nicht die Kosten von der Krankenkasse und der öffentlichen Hand, wieder auf den Bewohner, die Bewohnerin, denen wir, gemäss Neuer Pflegefinanzierung für die Pflege ja nicht mehr als Fr. 21.60 pro Tag verlangen dürfen? Die Krankenkassen müssen immer weniger bezahlen, die öffentliche Hand will selbstverständlich auch nicht mehr bezahlen. Hier wird dann gespart und das ganze Sparen auch noch mit Bundesgerichtsentscheiden unterstützt, die die Krankenkassen forcieren.

Es wird immer enger und genauer zwischen Pflege und Betreuung unterschieden. Dies um Leistungen nicht mehr übernehmen zu müssen, die dann von den Betreuungskosten gedeckt werden müssen.

Es fallen dann so Entscheide wie: Die Bewohnerin im Rollstuhl, die nicht mehr selber essen kann, muss für das Essen in den Speisesaal gebracht werden. Dort hilft ihr dann eine Mitarbeitende, das Essen einzugeben. Nachher wird die Bewohnerin wieder ins Zimmer gebracht oder in eine Aktivierungsgruppe. Der Weg vom Zimmer zum Essen und wieder zurück wird doch tatsächlich nicht als pflegerische Leistung angesehen, sondern als Betreuung, die die Bewohnerin, gemäss Bundesgerichtsentscheid, gefälligst selber, über die Betreuungstaxe, bezahlen soll. Wenn sie das nun nicht mehr bezahlen kann, weil ihr Geld dazu nicht reicht, soll sie dann verhungern? Selbstverständlich nicht!! Dazu gibt es dann die Ergänzungsleistungen und schlussendlich wird der Betrag der fehlt wieder von der Öffentlichkeit bezahlt. Nur von welcher Kasse, dazu brauchte es den Bundesgerichtsentscheid.

Ein weiterer Fall: Ein Bewohner, dement, kann seine Medikamente nicht mehr selber richten und erinnert sich nicht daran, wann er diese einnehmen muss. Unsere Diplomierten Pflegerinnen richten nun die Medikamente, bringen sie dem Bewohner und überwachen die Einnahme des Medikamentes. Das Richten des Medikamentes, das bringen ins Zimmer oder in den Speisesaal sind Betreuungskosten. Die Einnahme des Medikamentes und die damit verbundene Zeit, ist Pflegeaufwand. Wenn aber die Medikamente nicht gerichtet werden und der Bewohner seine Medikamente nicht erhält, weil er das nicht mehr finanzieren kann? Dann gibt es selbstverständlich Ergänzungsleistungen und eventuell sogar Hilflosenentschädigung zusätzlich. Und dann steigen die Kosten der Ergänzungsleistungen und es zahlt: wieder die öffentliche Hand.

Politik oder wer heute wirklich regiert

Und was macht unsere Politik, um das zu ändern? Nichts. Mögen Sie sich, liebe Leserin, lieber Leser, noch daran erinnern, dass vor einem halben Jahrhundert der Nationalstaat noch die oberste Institution war? Der Staat war souverän-ökonomisch, militärisch und kulturell. Das gilt heute nicht mehr. Die Macht ist ausgewandert. Erstens in den globalisierten Raum, wo transnationale Unternehmen herrschen und zweitens in die Konsummärkte, die nicht demokratisch gesteuert und kontrolliert werden können. Und drittens zu den Bürgern, die versuchen, gesellschaftliche Probleme statt mit traditioneller Politik, auf privatem Weg zu lösen. Während die wirklich Mächtigen, Banken und grosse Unternehmen, global operieren, bleibt der Einfluss der Politiker lokal. Wie soll man diese Macht zähmen, wenn die Mittel dazu fehlen? Es kann einfach nicht sein, dass uns die Pharmaindustrie oder die Grossunternehmen die Politik diktieren. Aber genau das ist der Fall. Haben Sie schon einmal nachgeschaut, wer im National- und Ständerat welche Firmen vertritt, in deren Verwaltungsrat ist oder sogar als Geschäftsführer amtet? Bald sind nur noch Lobbyisten, die Grossfirmen vertreten, im National- und Ständerat tätig. Und da hat das Alter schlechte Karten, weil keine Lobby. Wie man Politik und Macht wieder zusammenführen kann, ist die grösste Herausforderung dieses Jahrhunderts. Es gibt keine lokalen Lösungen für Probleme, die durch die Globalisierung verursacht oder verschärft werden. Krankt die UBS, krankt der Staat Schweiz. Verlässt die Novartis Basel, ist der Kanton finanziell am Ende. Das führt dazu, dass diese Unternehmen eine Macht ausüben, die ihnen eigentlich nicht zugestanden werden dürfte. Schauen wir hier auch ein wenig rückwärts: Als die Wirtschaft in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts kollabierte, glaubten alle noch an die Allmacht des Staates. Es genügte, ihn zu übernehmen, die Verwaltung, die Regierung, und man konnte sein eigenes Programm durchziehen. Nicht nur Totalitäre wie die Nazis und die Kommunisten dachten so, sondern auch Franklin Delano Roosevelt mit seinem" New Deal" und die westlichen Demokratien, die den Wohlfahrtsstaat einführten, etwas gegen die Arbeitslosigkeit unternahmen, die Armut und den Hunger bekämpften. In den 1970er Jahren wurde der Staat unpopulär, weil er seine Versprechen nicht erfüllen konnte. Der Wohlfahrtsstaat war nicht zu reparieren, er hatte zu wenig Ressourcen und die Leute waren es müde und hatten genug davon, dass der Staat alles entschied, sie ihrer Freiheit beraubte. Das Wunder am Horizont: "freier Markt, deregulieren, privatisieren". Lasst uns dem Markt vertrauen und alles wird gut. Spätestens die jüngste Finanzkrise und noch neuer die Frage nach einem Grexit, hat auch dieses Vertrauen erschüttert. Der Kollaps des Kreditsystems und der Banken 2007/2008 führt nun einfach dazu, dass eine grosse Zahl von Menschen nun weder an den Staat noch an den Markt glaubt. Wir sind also in einer Periode, in der alle bisherigen Arten, etwas zu tun, nicht mehr richtig funktionieren und die neuen noch nicht erfunden sind. Globale Erderwärmung, globale Umweltprobleme, globale Finanzverknüpfungen und deren Auswirkungen rufen eigentlich nach globalen Lösungen. Global ist auch die zunehmende Lebenserwartung, eine sogenannte Überalterung der Gesellschaft und die damit zusammenhängenden Probleme, die gelöst werden müssten. Der Nationalstaat, als er entstand, war ein Instrument, um Unabhängigkeit zu gewinnen. Unser Problem heute ist aber, dass wir alle voneinander abhängig sind und der souveräne Territorialstaat nicht in der Lage ist, weltweite Probleme anzugehen.

Der Territorialstaat ist nicht mal in der Lage das Thema Alter im eigenen Land anzugehen. Es wird reguliert, vorgeschrieben, wie Pflege auszusehen hat, wie viele diplomierte Pflegefachleute mindestens angestellt werden müssen. Viele , sicher gut gemeinte, Vorschriften. Aber, es kann doch nicht sein, dass ein Pflegeheim zwei oder drei Zimmer nicht belegen darf, weil eine diplomierte Pflegefachfrau zu wenig angestellt ist, obwohl die Suche nach einer solchen in der ganzen Schweiz mit riesigem Aufwand erfolgt ist, aber erfolglos war. (Geschehen im Kanton Bern)

Schlussendlich wird die Qualität der Pflege vom Bewohner oder der Bewohnerin bemessen. Das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen. Die Mitarbeitenden sollen gut ausgebildet sein und auch das Angebot haben, sich stets weiter zu entwickeln. Gute Pflege wird aber vor allem durch gute Pflegeassistentinnen gemacht. Sie sind es ja vor allem, die die Grundpflege ausführen, die mit ihrem Verhalten, ihrer Empathie dafür sorgen, dass sich der Bewohner/die Bewohnerin, gut aufgehoben fühlt.

Mein Fazit: Die Politik versagt immer mehr. Lösungen können anscheinend nicht mal schweizweit gefunden werden, denn nur so lässt sich die unterschiedliche Höhe der Normkosten in jedem Kanton begründen.

Lösungen müssen lokal gefunden werden und damit ist dann die Niederlassungsfreiheit, die in unserer Verfassung allen Schweizer Bürgern garantiert ist, ebenfalls Makulatur. Zürich hat ja eben den Vertrag zur Kostenübernahme von Personen aus dem Kanton Aargau gekündet. Alte Menschen von dort haben also in einem privaten oder öffentlichen Alters- und Pflegeheim in Zürich nichts mehr zu suchen?! Der Kantönligeist lässt grüssen. Was ist aber mit der Niederlassungsfreiheit? Gilt die nur für Gesunde und gut verdienende? Und wie sollen so Lösungen gefunden werden, wenn wir sie schon innerhalb der Schweiz nicht finden? Auf der einen Seite soll gespart werden.... Versuchen Sie aber mal einen Rollstuhl in Deutschland zu kaufen. Auch wenn er dort nur die Hälfte des Preises in der Schweiz kostet... die IV oder die Krankenkasse bezahlen keinen Rappen daran, weil er nicht in der Schweiz gekauft worden ist, bei einer Firma, die von der IV oder der Krankenkasse anerkannt ist. Eine Operation im Ausland wird nicht bezahlt, wenn sie dort nicht als Notfall ins Spital eingewiesen werden. Obwohl viel teurer in der Schweiz, können Sie sicher sein: sie erhalten keinen Rappen. Hier spielt die Lobby. Hier werden private Firmen geschützt auf Kosten des einfachen Bürgers und Prämienzahlers. Freier Markt? Er existiert im Gesundheitswesen nur auf dem Papier. Und die PolitikerInnen, die gut bezahlte Verwaltungsratsmandate in der Pharmabranche, der Lebensmittelbranche, in der Gesundheitsbranche haben, verhindern eine Liberalisierung immer und immer wieder. Hier dürfen dann alle mitzahlen. Aber beim Alter gibt es keinen Schutz, keine einheitlichen Normkosten innerhalb der Schweiz, dafür überall übertriebene Vorschriften und hier darf der freie Markt nicht spielen. Das macht mich manchmal richtig wütend und traurig. Auf dem Buckel derer, die sich nicht wehren können, wird gespart. Aber dort, wo das Sparpotential gross wäre, ist es nicht erlaubt die Errungenschaften des freien Marktes zu nutzen.

Helfen Sie mit, dagegen an zu kämpfen. Schreiben Sie ihren Kantonsvertretern, ihren Parteikollegen und Parteikolleginnen und fordern Sie sie auf, sich endlich auch für das Alter einzusetzen. Und seien Sie konsequent: Wählen Sie "Volksvertreter" ab, die sich nicht für das Alter einsetzen. Im Herbst wird gewählt und unser Nationalrat und Ständerat neu besetzt. Hoffentlich mit den richtigen Leuten.

Walter Winteler, Geschäftsführer

Die nächste Ausgabe erscheint in 8 Wochen.