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Newsletter Nr. 21 / Januar 2017

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Bewusstsein: Befreit Eure Gedanken

Mit 18 wird man erwachsen, mit 65 in den Ruhestand abgeschoben. Willkürlich gesetzte Zahlen diktieren das Leben. Schluss damit. Die neuen Alten brauchen zur Psycho-Prophylaxe ein neues Bewusstsein für einen neuen Lebensabschnitt.

Der Glaube an die Zahlen…

Ist eines der tükischsten Hindernisse auf dem Weg in ein fröhliches, würdiges Altern. Zahlenmystik bestimmt unser Bewusstsein. Wir sind gefangen in einem Kerker, dessen Mauern wir selber errichtet haben.
Die 6 etwas ist das Alte, in dem aus dem Kleinkind das Schulkind wird. 18 ist die Eintrittszahl in die Erwachsenenwelt. Wählen, Führerschein, Erwachsensein.
25 Ehejahre werden mit der silbernen Hochzeit gefeiert. Der 50. Geburtstag ist auch deswegen so bedeutsam, weil er die halbe Strecke auf dem Weg zur magischen 100 markiert. Wir sind getaktet von der fixen Idee einer 42 Stunden-Woche. 45 Arbeitsjahre liegen vor uns, damit wir eine volle Rente erhalten. Ganz egal, ob die Arbeit sinnvoll oder gesellschaftsdienlich war oder nicht. Die politisch und auch ökonomisch am stärksten aufgeheizte Zashl ist die 65; jener magische Tag, an dem der Mensch befreit wird vom „Joch der Arbeit“. Wie lange streiten sich die Parteien schon darüber, ob wir vernünftigerweise erst mit 67 oder 70  in Rente gehen sollten…. Der Versuch, die Rente mit 67 zu etablieren hat in dem Kompromiss, „Rente ab 63“ geendet. 67 und 63- was im arithmetischen Mittel glücklicherweise die 65 ergibt. Das ewige Symbol des gewerkschaftlichen Erfolgs. Die 65 ist die stählernste aller schweizerischen Zahlen. Daran darf nicht gerüttelt werden.
So befreiend der 65. Geburtstag für manche Arbeitnehmer sein mag, so grausam wirkt diese in uns allen 
Verankerte Zahl; Sie markiert das Ende der Nützlichkeit. Bis 65 zahlen wir Steuern und Sozialabgaben, wir schaffen und rackern. Und danach? Kostenposten. Keine Aufgabe nur Ausgaben. Wie ein Gast, der nicht gehen will, obwohl es schon weit nach Mitternacht ist. Lästig.
Wir alle wissen, diese Zahl 65 ist eine vor mehr als 60 Jahren willkürlich gewählte Zahl. Sie ist gleichsam ein eiserner Vorhang, der nützliches von unnützem Leben trennt.
Wir akzeptieren die verschiedensten Bildungswege, wir akzeptieren die buntesten Beziehungsmodelle, wir akzeptieren die verrücktesten Krankheitsbilder…. Nur von der 65 kommen wir nicht weg. Welch eine Verschwendung. Denn Altersmodelle können mit 40 beginnen, wenn einer sein Haus barrierefrei baut, oder aber mit 80 immer noch nicht begonnen haben, weil Menschen einfach weiterleben und arbeiten wie immer.

Gedankenbilder

Die Macht unserer Gedankenmodelle ist gewaltig. Seit Generationen tragen wir die Dreiteilung von Lernen – Arbeiten – Verfall in uns, drei scheinbar hermetisch abgeriegelte Räume, die wir nacheinander betreten. „ Warum lassen wir die Altersangaben nicht einfach weg und orientieren uns am biologischen Zustand? „ fragte der britische Altersforscher Tom Kirkwood, „dann würden die Ärzte endlich behandeln, was nötig ist und nicht, was deren Altersbild erfordert.“
Ganz einfach: Diese Konzepte sind seit Jahrhunderten gelernt. Für die neue Zeit, die den Senioren zehn, zwanzig, dreissig Jahre zusätzlich schenkt, gibt es keine konsensualen Modelle.
Professor Robert Rosenthal, in Deutschland geboren und vor den Nazis in die USA geflohen hatte mit seinen bahnbrechenden Experimenten bewiesen, was Hirnforscher, Neurobiologen und Zellexperten praktisch täglich aufs Neue bestätigen; Weit mächtiger als das Schicksal, als Rentenkasse und Gene sind die Gedanken des Menschen. Wir konstruieren unsere Realität ein ganzes Leben lang. Wir nehmen uns als Helden wahr oder als Versager, als lebenslustige oder depressive Rentner. Natürlich wird man einen Tumor nicht mit dem Visualisieren einer Blumenwiese schrumpfen lassen. Aber es macht einen entscheidenden Unterschied, ob Ältere sich als parasitäre Kostgänger sehen oder als sinnstiftende Weise, die die Hausgemeinschaft oder einen Verein zusammenhalten.

Was hat das mit dem Perla Park zu tun?

Nahezu alle Studien zu den Altersbildern in unseren Köpfen kommen zu dem gleichen Resultat; Wir fürchten das Alter. Wir hassen teilweise das Alter. Und das Alter beginnt mit 65. Man muss kein Soziologe sein, um die Folgen abzuschätzen. Wenn wir uns für alt und nutzlos halten, werden wir auch so agieren. Das Bewusstsein bestimmt das Sein.

Genau hier kommen nun wir im Perla Park ins Spiel: Mit positivem Denken, mit Mithilfe, Unterstützung, ohne uns aufzudrängen. Mit Unterstützung wo diese erwünscht ist. Mit einem breiten Angebot an sinnvoller Beschäftigung, malen, basteln, Gedächtnistraining. Mit freudigen Ereignissen wie: Sommernachtsfest, gemeinsamem singen, dem Besuch einer Clownin, Musiker mit alten Schlagern, bei denen wir an die schönen Tanzabende von früher denken und ja, bei denen auch unser Personal mit den Bewohnern ein Tänzchen macht. Mit Filmen, Konzerten, Ausflügen, Diashow und Theaterabend.
Aber auch Besinnliches wie Gottesdienste und Weihnachtsfeiern mit den Angehörigen.
Kommen Sie uns mal an einer dieser Veranstaltungen besuchen. Sehen Sie sich die leuchtenden Augen und die lebensfrohen Menschen an. Lebensfreude pur. Ja und auch die Liebe macht manchmal nicht vor dem Alter halt. Auch das kann man im Perla Park noch erleben.

Weg mit den alten Konventionen!!

Diese Bilder vom Alter, die unser Bewusstsein prägen, sind stabil, gleichwohl ziemlich zufällig entstanden. Wo steht geschrieben, dass Rentner keine Harley fahren, Beachvolleyball spielen oder sich sonst wo austoben dürfen? Warum soll sich eine Grossmutter nicht noch den Wunsch erfüllen, einen Totenkopf auf die welke Hinterbacke tätowieren zu lassen? Wer setzt und vor allem wer befolgt schafsdumm all diese Zufallskonventionen? So wenig wie es eine Linearität des Verfalls gibt, so wenig gibt es Gesetze über altersgerechtes Benehmen. Wohlbefinden lautet das Ziel, nicht Konformität. Und für`s Wohlbefinden sind eine respektvolle Sprache, Bildungsbereitschaft, Offenheit, Miteinander und etwas Bescheidenheit der Mitarbeitenden, die die ältere Generation begleiten, wichtig. Ein gutes Wort, ein positives Erlebnis, ein Moment des Stolzes können das Befinden unserer Bewohnerinnen und Bewohner neu befeuern. Und denken wir daran: Wir werden alle älter und es kann uns absolut passieren, irgendwann auch im Perla Park unser letztes Zimmer zu finden (oder in einem anderen Heim). Entsprechend sollten wir uns in jedem Augenblick, in dem wir hier im Perla Park für unsere Bewohnerinnen und Bewohner arbeiten, fragen: Mache ich das so, wie ich das irgendwann auch erleben möchte? Wenn wir das mit JA beantworten können, dann sind die Voraussetzungen erfüllt, dass unsere Bewohner und Bewohnerinnen glücklich und zufrieden noch eine gute Zeit verbringen dürfen. Sie haben es sich verdient sinnvoll bei uns Leben zu können.

Das neue Bild:

Warum soll das Leben ein Abstieg sein? Wir können das Leben auch als einen grossen Anstieg interpretieren. Der Gipfel ist das Ziel. Wenn ein Lebensjahr für 100 Höhenmeter steht, haben  es 30- Jährige bis auf 3000 Meter geschafft, wo die Luft schon dünner wird. Mit 50 sind wir auf 5000 Metern angelangt, eine gewaltige Leistung. Und was die Älteren erst geleistet haben; Sie stehen mit wackligen Beinen auf 7000, 8000, 9000 Metern. Wer könnte den Nachfolgenden bessere Tips geben, wie dieser Aufstieg erfolgreich zu bewältigen ist, welche Route bequemer ist, welche riskante Wand grossartige Ausblicke eröffnet, welche Charaktere sich für eine stabile Seilschaft empfehlen.

Willkommen auf dem Bewusstseinspfad des erfolgreichen Alterns. Der Weg der Weisheit mag Unbekanntes bereithalten, aber: Es geht bergauf. (Quelle: Auszug aus einem Buch eines unbekannten Autors)

Ich freue mich schon auf die nächste Bergwanderung mit dem Perla Team, dem Stiftungsrat und dem Führungsstab und unseren Bewohnern. 
Ein spannender Höhenweg steht vor uns. Wer zur Wanderung nicht startet kommt auch nie ans Ziel.

Walter Winteler
Geschäftsführer